Sechs Uhr abends, die Sonne steht noch hoch über den Rebhängen, und ich stehe mit meinem Kaffee vor dem Kastenwagen und schaue auf ein Schild, das ich fast übersehen hätte. Wohnmobilstellplatz Alte Brennerei, steht darauf, und dahinter beginnt ein Hof, der aussieht, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Kein Empfangshäuschen, keine Schranke, kein Automat. Nur ein Stück Kies, ein paar Stromsäulen und ein Wirtshaus, in dem man sich anmelden muss.

Ich war auf der Durchreise Richtung Meersburg und hatte eigentlich nur eine Nacht geplant. Es wurden drei. Nicht, weil der Platz so spektakulär wäre. Sondern weil ich das Gefühl hatte, hier stimmt das Verhältnis zwischen dem, was ich zahle, und dem, was ich bekomme. Das passiert mir selten.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Stellplatz liegt in Stetten am Bodensee, rund 3 km vom See und von Meersburg entfernt – nah genug für einen Ausflug, weit genug weg vom Trubel.
  • Rund 35 Parzellen auf Kies und Gras, ganzjährig geöffnet, keine Reservierung möglich.
  • Die Anmeldung läuft über das angeschlossene Wirtshaus, nicht über einen Automaten – das erklärt so manche Verwirrung bei der Ankunft.
  • Wer Abendessen will, sollte die Küchenzeiten im Kopf haben: warme Küche gibt es nicht den ganzen Abend.
  • Für mich einer der unterschätztesten Stellplätze am Bodensee – aber mit ein paar Eigenheiten, die man kennen sollte.

Wohnmobilstellplatz Alte Brennerei: wo genau steht man da eigentlich?

Stetten ist so ein Ort, den man auf der Karte leicht überfährt. Ein Winzerdorf ein paar Kilometer nördlich von Meersburg, eingebettet in Rebhänge, mit einer Kirche, die man von weitem sieht, und sonst nicht viel. Genau das ist der Reiz.

Der Platz selbst liegt am Ortsrand, an der Riedetsweilerstraße. Wenn Sie aus Richtung Meersburg kommen, fahren Sie durch den Ort und halten sich nach dem Ortskern Richtung Riedetsweiler. Das Schild ist da, aber nicht riesig – beim ersten Mal habe ich es tatsächlich verpasst und bin einmal im Kreis gefahren. Ich schiebe es auf die tief stehende Sonne, nicht auf meine Orientierung.

See, Meersburg und die Radwege ringsum

Drei Kilometer bis zum Wasser klingt nach einem Spaziergang, und das ist es auch. Mit dem Rad sind Sie in zehn Minuten unten am Ufer und nochmal ein Stück weiter in Meersburg mit seiner Altstadt und der Fähre. Das Schöne: Sie können den Tag am See verbringen und abends wieder hoch ins Dorf, wo es ruhig ist.

Wer ohne Rad anreist, für den wird es etwas mühsamer. Es fährt ein Bus, aber der Takt ist dörflich. Ich habe an einem Abend zwei Leute am Platz getroffen, die auf den Bus gewartet haben und dann doch beschlossen, zu Fuß zu gehen. Zwanzig Minuten bergauf nach dem Abendessen ist nichts für jeden.

Was ist wirklich da – und was nicht?

Hier fangen die Fragen an, die mir vorher keiner beantworten konnte. Die Webseiten sagen „Entsorgungsstation" und dann hört es oft auf. Ich habe mir das vor Ort angeschaut, weil ich es bei jedem Platz wissen will, bevor ich mich hinstelle.

Strom, Wasser, Entsorgung

Es gibt Stromsäulen an den Parzellen, die meisten Stellplätze sind parzelliert und bis zu etwa 10 Meter lang. Die Versorgung mit Frischwasser und die Entsorgung von Grau- und Schwarzwasser sind vorhanden – das ist der Standard, den man auf einem Platz dieser Größe erwarten darf. Was ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, weil die Angaben dazu überall vage bleiben: die genaue Absicherung und der Preis pro Kilowattstunde. Fragen Sie bei der Anmeldung nach, das ist der ehrlichste Weg.

Sanitär und Duschen

Der Platz hat Sanitäranlagen, aber erwarten Sie keine Wellnesslandschaft. Es ist zweckmäßig, sauber, und man teilt sich das mit den anderen. Wer eine eigene Dusche im Fahrzeug hat, ist klar im Vorteil. Ich habe morgens nie angestanden, aber im Hochsommer bei Vollbelegung kann das anders aussehen.

  • Boden: Kies und Gras, flach – keine Keile nötig
  • Schatten: praktisch keiner, im Sommer wird es heiß im Blech
  • Hunde: erlaubt, gegen einen kleinen Aufpreis von einem Euro pro Nacht
  • WLAN: nicht verlassen Sie sich darauf, das Mobilnetz ist in der Gegend brauchbarer

Kosten, Anmeldung und der Ablauf, der mich erst irritiert hat

Sechzehn Euro pro Nacht, ganzjährig, keine Saisonaufschläge. Das ist für Bodenseenähe ein Wort, und zwar ein freundliches. Vergleichen Sie das mal mit den Plätzen direkt am Ufer oder in Meersburg selbst – da reden wir über ganz andere Beträge.

Kosten, Anmeldung und der Ablauf, der mich erst irritiert hat

Der Haken ist der Ablauf. Man stellt sich nicht einfach hin und wirft Geld in einen Automaten. Die Anmeldung läuft über das Wirtshaus des angeschlossenen Obst- und Winzerhofs, und das ist nur zu bestimmten Zeiten besetzt. Anreise ist grundsätzlich zwischen 7 und 21 Uhr möglich, die Anmeldung selbst läuft typischerweise ab dem späten Nachmittag – am Schließtag liegt ein Briefkasten bereit, in den man die Karte werfen kann.

Ich stand bei meiner ersten Ankunft um kurz nach fünf vor einem geschlossenen Lokal und dachte: Na toll. Zehn Minuten später kam jemand, und plötzlich war alles ganz unkompliziert. Ehrlich gesagt: Wer mit dieser Erwartung anreist, hat einen entspannten Abend. Wer einen 24-Stunden-Service erwartet, wird fluchen.

Abreise bis 12 Uhr, und wer länger bleiben will, sollte vorher fragen. Reservieren geht nicht – der Platz ist, was er ist, und man nimmt, was frei ist.

Das Wirtshaus Alte Brennerei: Grund genug für eine Übernachtung

Und jetzt zu dem Teil, der den Platz für mich aus dem Mittelfeld hebt. Das Wirtshaus ist kein Anhängsel des Stellplatzes, sondern der Grund, warum der Platz existiert. Ein Winzerhof mit eigener Küche, bodenständig, regional. Man sitzt draußen zwischen Reben, und die Karte ist das, was man in einer Gegend mit Obst- und Weinbau erwartet: deftige Klassiker, saisonale Gerichte, und vor allem die eigenen Weine und Brände.

Das Wirtshaus Alte Brennerei: Grund genug für eine Übernachtung

Öffnungszeiten: warme Küche meist von Dienstag bis Sonntag am Abend, montags ist in der Regel Ruhetag. Die genauen Zeiten ändern sich mit der Saison – ein Anruf vor der Anreise ist keine schlechte Idee, gerade außerhalb der Ferienzeit. Was auf der Karte steht, hängt davon ab, was gerade Saison hat, und das ist ein gutes Zeichen.

Ich habe an einem Abend einen Tischler aus Ravensburg kennengelernt, der seit Jahren regelmäßig hierherkommt, nur wegen des Essens – mit dem Wohnmobil, wie er betonte, weil er dann nicht fahren muss. Das ist, glaube ich, der eigentliche Geheimtipp an diesem Platz: Sie kommen nicht zum Stehen, Sie kommen zum Essen und bleiben dann stehen.

Stellplatz Alte Brennerei im Vergleich zu anderen Optionen am Bodensee

Die Frage, die sich jeder stellt: Lohnt sich der Umweg ins Hinterland, oder stelle ich mich gleich ans Wasser? Ich habe die Varianten für mich durchgerechnet.

Option Preisniveau pro Nacht Nähe zum See Ruhige Lage Für wen
Alte Brennerei, Stetten ca. 16 € rund 3 km sehr ruhig, Ortsrand Radfahrer, Genießer, Ruhesuchende
Stellplätze direkt in Meersburg deutlich höher unmittelbar touristisch, belebter Kurzbesucher ohne Rad
Campingplätze am Ufer höher, oft mit Mindestaufenthalt direkt am Wasser je nach Platz voll Familien, die Infrastruktur wollen
Wilde Stellplätze im Hinterland kostenlos, aber oft verboten weit weg ungewiss niemanden, der Ärger vermeiden will

Für mich ist die Rechnung klar: Wer bereit ist, die drei Kilometer mit dem Rad zu fahren, bekommt deutlich mehr Ruhe für deutlich weniger Geld. Wer morgens als Erstes im See schwimmen will, wird mit dem Platz nicht glücklich.

Für wen sich der Platz lohnt – und für wen nicht

Ich sage es mal so, wie ich es einem Freund am Telefon sagen würde. Dieser Platz ist nichts für Sie, wenn Sie Animation, Pool und einen Empfang rund um die Uhr suchen. Er ist auch nichts, wenn Sie mittags ankommen und sofort weiterwollen – die Anmeldung braucht etwas Geduld.

Er ist genau richtig, wenn Sie:

  • abends gut essen und dabei ehrlichen Wein trinken wollen, ohne noch fahren zu müssen
  • mit dem Rad unterwegs sind und die Gegend um Meersburg, Hagnau oder Unteruhldingen erkunden wollen
  • Ruhe über Seeblick stellen und morgens nicht als Erstes Touristenbusse sehen möchten
  • ein paar Nächte bleiben und die Winzerlandschaft im Hinterland mehr schätzen als die Promenade

Was ich bei aller Sympathie nicht schönreden will: Der Platz ist funktional, nicht komfortabel. Kein Schatten, die Sanitäranlagen sind in Ordnung, aber nicht mehr, und die Anmeldung über das Wirtshaus ist charmant, solange es funktioniert – und nervig, wenn man um halb zehn abends ankommt und niemand mehr da ist.

Ich stand beim ersten Besuch um Viertel nach fünf vor verschlossener Tür und war kurz versucht, einfach auf gut Glück stehen zu bleiben. Habe ich nicht gemacht, und im Nachhinein war das die richtige Entscheidung – man bekommt so auch den Schlüssel für den Strom und die nötigen Informationen. Wer ohne Anmeldung bleibt, hat zwar einen Platz, aber keinen Strom und ein schlechtes Gewissen.

Was bleibt

Am letzten Morgen habe ich meinen Kaffee wieder draußen getrunken, diesmal mit dem Blick auf die Rebzeilen statt auf das Schild. Drei Nächte, für die ich weniger gezahlt habe als für eine einzige Nacht in einer Ferienwohnung am See. Und ich habe besser gegessen als auf so manchem Platz, für den ich doppelt so viel hingelegt habe.

Ob der Wohnmobilstellplatz Alte Brennerei für Sie passt, hängt an einer einzigen Frage: Sind Sie bereit, den See ein Stück weit wegzulassen, um dafür Ruhe und ein ehrliches Wirtshaus zu bekommen? Wenn ja, kommen Sie rechtzeitig am Nachmittag an und fragen Sie beim Anmelden direkt nach Führung durch den Hof. Es lohnt sich – und vielleicht bleiben aus einer geplanten Nacht ja auch drei.